::: R A D I O :::

::: S E N D U N G :::





::: M E N U E :::


Home
News
Mailer
Galerie
e-Card
Poetry







::: A B O U T  M E :::


::: F R I E N D S :::


::: G Ä S T E B U C H :::







::: K O N T A K T :::




.: Vorwort
.: Kapitel I .: Kapitel II .: Kapitel III .: Kapitel IV


.: Ein neues Jahr


Ein neues Jahr. Seltsam. Wo ist das alte denn hin, war ich die ganze Zeit besoffen? Wollten ich  nicht im vergangenen  Jahr etwas Grosses erleben. Vielleicht die Liebe finden, die Erfüllung, einen neuen Beruf oder auswandern, oh ja, bitte, bitte auswandern.

Alles vergessen, verlassen neu beginnen. Noch mal jung sein. Wollte doch, das mein Leben sich so anfühlt, wie meine Lieblingsmusik, der Lieblingsfilm. Und jetzt ist also  Winter, war doch gerade. War lang und kalt und wir hatten uns gedacht, es ist ja noch Zeit. Im neuen Jahr, da wird alles anders. Haben wir gedacht und nun ist es schon wieder soweit.
Es wird dunkel.

Was war schon schön dieses Jahr?  Du unter uns gesagt, da war nichts. Die Tage verschwommen ineinander, wusste schon am abend, wie der morgen würde und manchmal dachte ich, ich werd wahnsinnig darüber. Wie ich mich sah, die immer gleichen Handgriffe am morgen, die Treppen runter über die Strasse, ins Auto, und wusste manchmal gar nicht, ob ich schon losgefahren oder bereits wieder angekommen war.

Und nun ist es schon wieder vorbei das Jahr, du siehst dich die Christbaumkugeln in den  Keller bringen, und gähnen, gähnen, so müde, wie soll man da ein neues Leben beginnen und vor allem wie ? Immer wenn du im Bett liegst, und nicht schlafen kannst, weil du wie körperlich spürst, wie die Zeit verinnt, verläuft, verschliert, immer dann in diesen Nächten, die zu hell sind, da sagst du dir: aber morgen. Morgen verlasse ich alles, geh nicht zur Arbeit, pack einen Koffer und geh zum Flughafen. Steige in das erste Flugzeug was da kommt und es wird sein, wie manchmal, wenn ich am Fenster stehe und in den Himmel schaue, losfliegen möchte um Luft zu werden, nichts mehr spüren, nicht mehr leiden, einfach nur Luft sein und über der Welt schweben, so wird es sein. Denkst du in der Nacht. Und am morgen klingelt der Wecker und du bist einfach zu müde, um deinen Koffer zu packen und zum Flughafen zu gehen. So ist das. Also gehts du den bekannten Weg. Da sind ja Pflichten, die Miete, die laufenden Kosten, wir werden ja auch nicht jünger. Sicher nicht. Uff. Was ein Mist, so ein Leben. Was hat es gegeben, im letzten Jahr?

Der kleine Flirt. Das war doch nichts. O.K. für ein paar Stunden hat es sich angefühlt, wie etwas Grosses, etwas, was du immer gesucht hast. Dein Leben in einem schnelleren Takt. Und diese Nähe, Wahnsinn. Du hast nicht geschlafen, nicht gegessen. Für eine Woche fliegen und dann der Aufschlag auf dem Asphalt. Es war, es war nur ein Mensch. Das war schon schön, aber lohnt es dafür zu leben. Ist das Leben? Es ist so. So klein, verdammt noch mal.
Es ist nicht das, was du dir vorgestellt hast. Das es ist wie ein Film, hast du geglaubt.

Es war nie so, nie stand der, den du liebtest nachts mit Blumen vor deinem Fenster, oder am Bahnhof, oder sonstwo. Es war immer nur so, das er nicht angerufen hat und der, mit dem du zusammen bist, ja meine Güte, da willst du doch gar nicht, das er dich nachts mit Blumen behelligt. Es ist doch nur ein Mann, ein Mensch, den du kennst. Was soll dein Herz da rasen machen.

Ein Film dauert anderthalb Stunden, die Musik, die sich anfühlt wie das, was du suchts, vier Minuten.
Das Jahr ist zu Ende. Ok. Du wirst nicht auswandern, wirst deinen Job nicht hinschmeissen. Du bist zu müde dafür. Du bist müde, und stehst am Fenster und das Licht, wie es in den Baum fällt, der Vogel dazu und die Luft so feucht, du atmest durch, und es ist ein Moment, das du kaum Luft bekommst, vor Freude. Dann machst du das Fenster zu, das Licht aus, und ich verrat dir was: mehr ist es nicht.