.: Ein neues
Jahr
Ein neues Jahr.
Seltsam. Wo ist das alte denn hin, war ich die ganze Zeit besoffen?
Wollten ich nicht im vergangenen Jahr etwas Grosses
erleben. Vielleicht die Liebe finden, die Erfüllung, einen neuen
Beruf oder auswandern, oh ja, bitte, bitte auswandern.
Alles vergessen,
verlassen neu beginnen. Noch mal jung sein. Wollte doch, das mein Leben
sich so anfühlt, wie meine Lieblingsmusik, der Lieblingsfilm. Und
jetzt ist also Winter, war doch gerade. War lang und kalt und wir
hatten uns gedacht, es ist ja noch Zeit. Im neuen Jahr, da wird alles
anders. Haben wir gedacht und nun ist es schon wieder soweit.
Es wird dunkel.
Was war schon
schön dieses Jahr? Du unter uns gesagt, da war nichts. Die
Tage verschwommen ineinander, wusste schon am abend, wie der morgen
würde und manchmal dachte ich, ich werd wahnsinnig darüber.
Wie ich mich sah, die immer gleichen Handgriffe am morgen, die Treppen
runter über die Strasse, ins Auto, und wusste manchmal gar nicht,
ob ich schon losgefahren oder bereits wieder angekommen war.
Und nun ist es
schon
wieder vorbei das Jahr, du siehst dich die Christbaumkugeln in den
Keller bringen, und gähnen, gähnen, so müde, wie
soll man da ein neues Leben beginnen und vor allem wie ? Immer wenn du
im Bett liegst, und nicht schlafen kannst, weil du wie körperlich
spürst, wie die Zeit verinnt, verläuft, verschliert, immer
dann in diesen Nächten, die zu hell sind, da sagst du dir: aber
morgen. Morgen verlasse ich alles, geh nicht zur Arbeit, pack einen
Koffer und geh zum Flughafen. Steige in das erste Flugzeug was da kommt
und es wird sein, wie manchmal, wenn ich am Fenster stehe und in den
Himmel schaue, losfliegen möchte um Luft zu werden, nichts mehr
spüren, nicht mehr leiden, einfach nur Luft sein und über der
Welt schweben, so wird es sein. Denkst du in der Nacht. Und am morgen
klingelt der Wecker und du bist einfach zu müde, um deinen Koffer
zu packen und zum Flughafen zu gehen. So ist das. Also gehts du den
bekannten Weg. Da sind ja Pflichten, die Miete, die laufenden Kosten,
wir werden ja auch nicht jünger. Sicher nicht. Uff. Was ein Mist,
so ein Leben. Was hat es gegeben, im letzten Jahr?
Der kleine
Flirt. Das
war doch nichts. O.K. für ein paar Stunden hat es sich
angefühlt, wie etwas Grosses, etwas, was du immer gesucht hast.
Dein Leben in einem schnelleren Takt. Und diese Nähe, Wahnsinn. Du
hast nicht geschlafen, nicht gegessen. Für eine Woche fliegen und
dann der Aufschlag auf dem Asphalt. Es war, es war nur ein Mensch. Das
war schon schön, aber lohnt es dafür zu leben. Ist das Leben?
Es ist so. So klein, verdammt noch mal.
Es ist nicht das, was du dir vorgestellt hast. Das es ist wie ein Film,
hast du geglaubt.
Es war nie so,
nie
stand der, den du liebtest nachts mit Blumen vor deinem Fenster, oder
am Bahnhof, oder sonstwo. Es war immer nur so, das er nicht angerufen
hat und der, mit dem du zusammen bist, ja meine Güte, da willst du
doch gar nicht, das er dich nachts mit Blumen behelligt. Es ist doch
nur ein Mann, ein Mensch, den du kennst. Was soll dein Herz da rasen
machen.
Ein Film dauert
anderthalb Stunden, die Musik, die sich anfühlt wie das, was du
suchts, vier Minuten.
Das Jahr ist zu Ende. Ok. Du wirst nicht auswandern, wirst deinen Job
nicht hinschmeissen. Du bist zu müde dafür. Du bist
müde, und stehst am Fenster und das Licht, wie es in den Baum
fällt, der Vogel dazu und die Luft so feucht, du atmest durch, und
es ist ein Moment, das du kaum Luft bekommst, vor Freude. Dann machst
du das Fenster zu, das Licht aus, und ich verrat dir was: mehr ist es
nicht.
|