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.: Vorwort
.: Kapitel I
.: Kapitel II .: Kapitel III .: Kapitel IV



.: Leben - oder doch besser Träume?


"Als ich jung war, hatte ich noch Träume." Och, macht doch nichts. Kannst Du doch nichts für. Bringt das Jungsein so mit sich. Mußt Du Dich doch nicht für schämen. Hatte ich auch. So mit zwanzig oder so. Also vor wenigen Tagen.

Und Träume sehen aus, wie sie halt immer aussehen. Ein Produkt gnadenloser Egoüberschätzung - etwas, was wir doch nie erreichen werden und worum wir auch wissen, deswegen träumen wir. Sind die Träume dann irgendwann der desillusionierenden Realität gewichen, Mist, nur Bankangestellter und doch kein Modell geworden, kann man sicher sein, daß man gerade erwachsen geworden ist. Bestenfalls wird man es nie. Meistens aber schon. Schade.

Aber es könnte schlimmer kommen. Wie immer. Der Traum könnte in Erfüllung gehen und ist dann

a) richtig scheiße

oder

b) es bleibt ein fader Nachgeschmack an ihm haften und folglich hängt man weitere Träume an den Nagel.

Habe ich schon erwähnt, daß mein lieber Schatz ein so besonderer Mensch ist? Er hat mich darum gebeten, daß doch bitte an dieser Stelle zu schreiben. Er würde das gerne mal über sich lesen. Wenn es ihm schon keiner sagt. Mein lieber Schatz ist ein so besonderer Mensch. Und von was der so träumt, das weiß ich nicht so genau.

Der gemeingültige Mensch träumt davon Rockstar, Topmodell oder Politiker zu werden, fühlt sich zu höherem berufen, hat aber in den allerwenigsten Fällen den Taug dazu. Er will geliebt werden, will auf einer Bühne stehen, mit Höschen beworfen werden und andere Menschen inspirieren oder einfach nur unterwerfen, das sind dann die Träumer mit den Minderwertigkeitskomplexen oder gerne mindergroße Männer.

Der Mensch träumt also. Träumt vom unfehlbar sein, vom omnipotent sein, vom nicht aufs Klo gehen müssen, etwas zu schaffen, daß über seinen Tod hinaus bestehen bleibt. An diesem Punkt sind die allermeisten Träume zum Scheitern gezwungen, atmet schon der Wunsch an sich Fehlbarkeit aus jeder erdenklichen Pore.

Dieses Eingeständnis des Scheiterns äußert sich gerne als Kinderwunsch. Das Kind als Verlängerung unseres Lebens, ist das Kind aber doch nur ein eigenständiger Mensch, der mit uns selbst manchmal so gar nichts gemein hat. Die Sinnfrage zunächst mal beiseite geräumt, für Träume vorerst keine Zeit, das Kind dann also aufgezogen, der Balg fing dann auch rasch das Träumen an, wollte Popstar werden und Brosis, BWL studieren, Porsche, usw. Aus allem resultierend stellt sich dann die folgende Frage: was ist schlimmer? Ein Mensch mit Träumen oder ohne Träume (jetzt mal abgesehen von der Frage, ob ich noch ganz dicht bin)?
Und was machen Träume eigentlich, wenn sie Feierabend haben? Der Traum vom Glück, von Erfüllung, von Vision, die Prophezeiung des eigenen Dachschadens. Keine Träume mehr, der automatisierte und desillusionierte Mensch, mit Hoffnung auf gar nichts mehr, sich durch den Tag schleppend, nur noch Lust am eigenen Niedergang. Das Leben ist vorbei.

Cool. Wer träumt, ist blöd, sollte man meinen. Vielleicht auch nicht. Lieber blöd weitergeträumt, sonst bleibt ja nicht viel. Und irgendwann haben sich dann alle selbst verwirklicht, das Geld hat dann doch nicht glücklich gemacht, uns retten wollte keiner, wir selbst wollten ja auch niemanden retten, waren zu sehr mit uns und unseren Träumen beschäftigt, ein Empfinden immer seltener, und wenn, dann nur noch mit erheblichen Abnutzungserscheinungen.

Bäh. Das klingt so verbittert. Also anders. Der Mensch soll träumen, sage ich, heute ganz verträumt. Und ich sage: sollte der Mensch aber unter übergroßen Egoproblemen, Gier, Profilneurosen, Selbstüberschätzung, Größenwahn, Unsterblichkeitswahn und minderausgeprägtem Geschlechtsteil leiden, mag er doch bitte von der latenten Umsetzung seiner Träume absehen. Damit der Welt viel Scheissdreck erspart bleibt. Habe ich eigentlich schon gesagt, daß mein lieber Schatz wirklich ein besonderer Mensch ist?

Spezial thx 2 Chris