.: Leben - oder doch
besser Träume?
"Als ich jung war, hatte ich noch Träume." Och, macht doch nichts.
Kannst Du doch nichts für. Bringt das Jungsein so mit sich.
Mußt Du Dich doch nicht für schämen. Hatte ich auch. So
mit zwanzig oder so. Also vor wenigen Tagen.
Und Träume
sehen aus, wie sie halt immer aussehen. Ein Produkt
gnadenloser Egoüberschätzung - etwas, was wir doch nie
erreichen werden und worum wir auch wissen, deswegen träumen wir.
Sind die Träume dann irgendwann der desillusionierenden
Realität gewichen, Mist, nur Bankangestellter und doch kein Modell
geworden, kann man sicher sein, daß man gerade erwachsen geworden
ist. Bestenfalls wird man es nie. Meistens aber schon. Schade.
Aber es könnte
schlimmer kommen. Wie immer. Der Traum könnte in Erfüllung
gehen und ist dann
a) richtig
scheiße
oder
b) es bleibt ein
fader Nachgeschmack an ihm haften und folglich hängt man weitere
Träume an den Nagel.
Habe ich schon
erwähnt, daß mein lieber Schatz ein so besonderer Mensch
ist? Er hat mich darum gebeten, daß doch bitte an dieser Stelle
zu schreiben. Er würde das gerne mal über sich lesen. Wenn es
ihm schon keiner sagt. Mein lieber Schatz ist ein so besonderer Mensch.
Und von was der so träumt, das weiß ich nicht so genau.
Der
gemeingültige Mensch träumt davon Rockstar, Topmodell oder
Politiker zu werden, fühlt sich zu höherem berufen, hat aber
in den allerwenigsten Fällen den Taug dazu. Er will geliebt
werden, will auf einer Bühne stehen, mit Höschen beworfen
werden und andere Menschen inspirieren oder einfach nur unterwerfen,
das sind dann die Träumer mit den Minderwertigkeitskomplexen oder
gerne mindergroße Männer.
Der Mensch
träumt also. Träumt vom unfehlbar sein, vom omnipotent sein,
vom nicht aufs Klo gehen müssen, etwas zu schaffen, daß
über seinen Tod hinaus bestehen bleibt. An diesem Punkt sind die
allermeisten Träume zum Scheitern gezwungen, atmet schon der
Wunsch an sich Fehlbarkeit aus jeder erdenklichen Pore.
Dieses
Eingeständnis des Scheiterns äußert sich gerne als
Kinderwunsch. Das Kind als Verlängerung unseres Lebens, ist das
Kind aber doch nur ein eigenständiger Mensch, der mit uns selbst
manchmal so gar nichts gemein hat. Die Sinnfrage zunächst mal
beiseite geräumt, für Träume vorerst keine Zeit, das
Kind dann also aufgezogen, der Balg fing dann auch rasch das
Träumen an, wollte Popstar werden und Brosis, BWL studieren,
Porsche, usw. Aus allem resultierend stellt sich dann die folgende
Frage: was ist schlimmer? Ein Mensch mit Träumen oder ohne
Träume (jetzt mal abgesehen von der Frage, ob ich noch ganz dicht
bin)?
Und was machen Träume eigentlich, wenn sie Feierabend haben? Der
Traum vom Glück, von Erfüllung, von Vision, die Prophezeiung
des eigenen Dachschadens. Keine Träume mehr, der automatisierte
und desillusionierte Mensch, mit Hoffnung auf gar nichts mehr, sich
durch den Tag schleppend, nur noch Lust am eigenen Niedergang. Das
Leben ist vorbei.
Cool. Wer
träumt, ist blöd, sollte man meinen. Vielleicht auch nicht.
Lieber blöd weitergeträumt, sonst bleibt ja nicht viel. Und
irgendwann haben sich dann alle selbst verwirklicht, das Geld hat dann
doch nicht glücklich gemacht, uns retten wollte keiner, wir selbst
wollten ja auch niemanden retten, waren zu sehr mit uns und unseren
Träumen beschäftigt, ein Empfinden immer seltener, und wenn,
dann nur noch mit erheblichen Abnutzungserscheinungen.
Bäh. Das klingt
so verbittert. Also anders. Der Mensch soll träumen, sage ich,
heute ganz verträumt. Und ich sage: sollte der Mensch aber unter
übergroßen Egoproblemen, Gier, Profilneurosen,
Selbstüberschätzung, Größenwahn,
Unsterblichkeitswahn und minderausgeprägtem Geschlechtsteil
leiden, mag er doch bitte von der latenten Umsetzung seiner Träume
absehen. Damit der Welt viel Scheissdreck erspart bleibt. Habe ich
eigentlich schon gesagt, daß mein lieber Schatz wirklich ein
besonderer Mensch ist?
Spezial thx 2 Chris
|